Matti Nykänen

  • Matti Ensio Nykänen  a a (* 17. Juli 1963 in Jyväskylä) ist ein ehemaliger finnischer Skispringer, der in den 1980er Jahren seinen Sport dominierte. Mit vier Olympischen Goldmedaillen, fünf Weltmeistertiteln und vier Gesamtweltcup-Siegen gehört er zu den erfolgreichsten Skispringern überhaupt. Außerdem zählt er zu den 4 Athleten (neben ihm Espen Bredesen, Thomas Morgenstern und Jens Weißflog) welche die wichtigsten 4 Bewerbe im Skisprung-Sport (Olympia, Weltmeisterschaften, Gesamtweltcup und Vierschanzentournee) gewonnen haben.

    Skisprungkarriere

    Nykänen, ähnlich wie sein ewiger Konkurrent Jens Weißflog ein sehr leichter Springer, konnte 1982 bei der WM am Holmenkollen im Alter von nur 18 Jahren mit dem Weltmeistertitel von der Großschanze seinen ersten großen Triumph feiern. Es folgte jeweils ein weiterer Titel im Mannschaftsspringen bei den nächsten vier aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften (1984, 1985, 1987 und 1989).

    Nach dem ersten Sieg bei der Vierschanzentournee 1982/83 und dem Gewinn des Gesamtweltcups im gleichen Jahr, holte Nykänen ein Jahr später bei den Olympischen Winterspielen in Sarajevo die Goldmedaillen auf der Großschanze und im Team. Damit hatte er 20-jährig schon alle wichtigen Skisprung-Wettbewerbe gewonnen. Einen Monat später siegte er bei der Flugwoche von Oberstdorf und verbesserte den Skiflugweltrekord zuerst auf 182 m und dann auf 185 m.

    1985 holte er sich in Planica den Skiflug-Weltmeistertitel mit einem neuerlichen Weltrekord-Flug auf 191 m. In diesem und im darauffolgenden Jahr sicherte er sich wieder den Gesamtweltcup. 1987 wurde er mit der Holmenkollen-Medaille geehrt.

    Seine wahrscheinlich beste Saison hatte Nykänen aber 1987/88. Zunächst dominierte er die Vierschanzentournee nach Belieben und sicherte sich danach bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary alle drei im Skispringen vergebenen Goldmedaillen. Zudem gewann er zum vierten Mal den Gesamtweltcup.

    Gegen Ende der 1980er Jahre begann Nykänens Stern zu sinken. Seine Alkoholkrankheit wurde offensichtlich. Er beendete seine Karriere 1991 schließlich glanzlos. Insgesamt hat er 46 Weltcupspringen gewonnen, womit er lange Zeit die ewige Bestenliste anführte, bis ihn Gregor Schlierenzauer 2013 überholte.

    Nach der Karriere

    Nykänens Unternehmungen nach seinem Karriereende unter anderem als Popsänger und Stripper standen unter keinem glücklichen Stern, ebenso verlief sein Privatleben mit drei Eheschließungen und Scheidungen sehr spektakulär. In der finnischen Boulevardpresse wurde und wird sehr ausführlich über jede Eskapade des Skispringers, der nach heutigen Erkenntnissen unter ADHS leidet, berichtet. Im Jahr 2003 veröffentlichte Nykänen eine Autobiografie unter dem Titel „Grüße aus der Hölle“.

    Im August 2004, nach einer recht erfolgreichen Comeback-Tournee als Popsänger in Finnland, geriet Matti Nykänen mit seiner Frau unter Verdacht des versuchten Totschlags (vergleiche unter Tötungsdelikt). Ihnen wurde vorgeworfen, einen 59-jährigen Freund im Alkoholrausch nach einem Streit ums Fingerhakeln in einer Hütte in Nokia niedergestochen zu haben. Er wurde zu 26 Monaten Haft verurteilt. Im selben Jahr erlitt er einen Herzinfarkt, von dem er sich allerdings gut erholte. Nach Verbüßung von 13 Monaten wurde er im September 2005 auf Bewährung entlassen, jedoch bereits 103 Stunden später wegen des Vorwurfs, seiner Frau Mervi im Vollrausch mit einem schweren Gegenstand eine Kopfwunde zugefügt zu haben, wieder in U-Haft genommen. Nachdem Mervi aber keine Anzeige erstattet hatte, wurde Nykänen wieder auf freien Fuß gesetzt. Im März 2006 wurde Matti Nykänen erneut wegen Misshandlung seiner Frau zu einer Haftstrafe von 4 Monaten verurteilt.

    Am 13. Januar 2006 kam ein Film über das Leben Matti Nykänens in die finnischen Kinos. Die Hauptrolle spielte der bekannte finnische Schauspieler Jasper Pääkkönen.

    Am 28. Februar 2008 gewann Matti Nykänen den Veteranen-Weltmeistertitel auf der kleinen Schanze in Taivalkoski, Finnland in der Klasse der 40-44jährigen. Am vorherigen Tag war er als Fünfter aus dem K-50 Wettbewerb hervorgegangen.

    Am 25. Dezember 2009 attackierte er nach Medienberichten seine Frau mit einem Messer und wurde erneut festgenommen. Mervi Tapola flüchtete mit Schnittwunden zu den Nachbarn.

    Im März 2013 gab Nykänen bekannt, dass er wieder mit dem Skisprungtraining beginne, um an den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi als Vorspringer teilzunehmen.

    Erfolge

    Weltcup-Platzierungen

    Literatur

    •  Matti Nykänen, Egon Theiner: Grüße aus der Hölle. Autobiografie. Wero-Press, Pfaffenweiler 2003, ISBN 978-3-98080-499-8.

    Weblinks

    Einzelnachweise

    1. Attacke am Feiertag: Olympiasieger Nykänen sticht auf Ehefrau ein. In: Spiegel Online. 27. Dezember 2009, abgerufen am 11. Januar 2014.
    2. Marja Väänänen: Matti Nykänen yli vuodeksi vankilaan (deutsch Matti Nykänen, mehr als ein Jahr im Gefängnis). In: Helsingin Sanomat. 24. August 2010, abgerufen am 11. Januar 2014 (finnisch).
    3. Matti Nykänen trainiert für Olympia auf skispringen.com, abgerufen ab 17. März 2013.
    4. Harri Olli und Matti Nykänen machen gemeinsame Sache bei skispringen.com, 26. März 2013

    Der Text ist unter der Lizenz "Creative Commons Attribution/Share Alike" verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind auf der Seite von Creative Commons beschrieben. Ursprüngliche(r) Autor(en) des verwendeten Textes.