Harper Lee

  • Nelle Harper Lee (* 28. April 1926 in Monroeville, Alabama) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und Pulitzer-Preisträgerin. Ihr einziges veröffentlichtes Buch Wer die Nachtigall stört (Originaltitel: To Kill a Mockingbird) verkaufte sich über 40 Millionen Mal.

    Leben und Werk

    Harper Lee ist das jüngste von vier Kindern von Amasa Coleman Lee, einem Rechtsanwalt und Staats-Senator von Alabama der Demokratischen Partei und Frances Cunningham Lee, geborene Finch. Eine Abstammung ihres Vaters von dem Südstaaten-General Robert Edward Lee wird von der Literatur als unwahrscheinlich angesehen. Ihr Vorname Nelle ist der rückwärts geschriebene Vorname ihrer Großmutter Ellen.

    Lee erwarb den Highschool-Abschluss an der Monroe County High School in ihrer Heimatstadt.

    Nach Abbruch ihres Studiums zog Lee nach New York City und arbeitete zunächst in einer Buchhandlung und später einige Zeit am Schalter der Fluggesellschaften Eastern Air Lines und BOAC in New York. Über Capote lernte sie Michael und Joy Brown kennen, mit denen sie sich schnell anfreundete. Das Ehepaar Brown entschied sich – um Lees literarische Ambitionen zu fördern – ihr den Lebensunterhalt für das Jahr 1957 zu finanzieren.

    Unter dem neuen Titel To Kill a Mockingbird (Wer die Nachtigall stört) erschien Lees bis heute einziger Roman 1960 und erhielt im darauf folgenden Jahr den Pulitzer-Preis. Bereits 1962 wurde er von Robert Mulligan mit Gregory Peck in der Rolle des Atticus Finch verfilmt, wofür Peck einen Oscar erhielt (insgesamt bekam der Film drei). Truman Capote hat gelegentlich angedeutet, dass Teile des Romans To Kill a Mockingbird aus seiner Feder stammen würden. Pearl Kazin Bell, ein Verlagseditor bei Harper’s, hält diese Behauptung für plausibel, weil Harper Lee danach keine Romane mehr veröffentlicht hat – was nach ihrer eigenen Aussage jedoch daran liegt, dass jedes Nachfolgewerk im Schatten des ersten Erfolges stehen würde. Lavizzari hält die Indizien für eine Mitarbeit Capotes an Lees Roman jedoch für eher schwach, meint jedoch, die Widerlegung dieses von Capote gern gestreuten Gerüchts sei ebenso unmöglich wie seine Bestätigung.

    Von Ende der 1950er bis in die 1960er Jahre assistierte Harper Lee ihrem Kindheitsfreund und Feriennachbarn Truman Capote bei den Recherchen für dessen Roman Kaltblütig (Originaltitel: In Cold Blood), der u. a. auch ihr gewidmet ist. Im Anschluss an das Erscheinen des Romans scheint eine Entfremdung zwischen Lee und Capote eingetreten zu sein, wohl weil Harper Lee ihre Mitarbeit an dem Roman nicht hinreichend gewürdigt sah.

    1961 veröffentlichte Harper Lee zwei Artikel in Zeitschriften: Love – In Other Words in der Vogue und Christmas To Me in McCall’s. Ein weiterer Essay, When Children Discover America, wurde 1965 in McCall’s veröffentlicht. Sie wurde von Präsident Johnson in das National Council of Arts aufgenommen (Juni 1966). 1983 besuchte sie das Alabama History and Heritage Festival in Eufaula, Alabama. Dort präsentierte sie den Essay Romance and High Adventure.

    Harper Lee lebt sehr zurückgezogen in New York und Monroeville. Einer ihrer seltenen öffentlichen Auftritte war anlässlich der Entgegennahme des Los Angeles Public Library Literary Award (Literaturpreis der öffentlichen Bibliotheken von Los Angeles) im Mai 2005. 2007 wurde ihr die Presidential Medal of Freedom überreicht, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten.

    Im Februar 2015, 55 Jahre nach To Kill a Mockingbird, gab Lee über ihren Verlag Penguin Random House die Veröffentlichung eines zweiten Romans bekannt.

    Darstellung in der Kunst

    • Tracey Hoyt spielte Lee 1998 im Fernsehfilm Scandalous Me: The Jacqueline Susann Story.
    • Harper Lee wurde 2005 von Catherine Keener im Film Capote dargestellt.
    • Sandra Bullock spielte sie 2006 in Kaltes Blut – Auf den Spuren von Truman Capote (Infamous).

    Werke

    Literatur

    • Roy Newquist (Hrsg.): Counterpoint. Rand McNally, Chicago 1964
    • William T. Going: Truman Capote. Harper Lee’s Fictional Portrait of the Artist as an Alabama Child. Alabama Review, 42 (1989), S. 136–149
    • Mark Childress: Looking for Harper Lee. In: Southern Living. Ausgabe Mai 1997, S. 148–150
    • Charles J. Shields: Mockingbird – A Portrait of Harper Lee. Holt, New York 2006. ISBN 0-8050-7919-X.
    • Alexandra Lavizzari: Glanz und Schatten. Truman Capote und Harper Lee – eine Freundschaft. Edition Ebersbach, Berlin 2009, ISBN 978-3-938740-90-3.
    • Marja Mills: The mockingbird next door : life with Harper Lee, New York : Penguin Press, 2014, ISBN 978-1-594-20519-4

    Weblinks

    Einzelnachweise

    1. The Orlando Sentinel on To Kill a Mockingbird: „Thirty million copies of To Kill a Mockingbird have been sold since that coming-of-age novel, about a Southern lawyer who believed that no man should be denied justice because of the color of his skin, was first published in 1960 to critical acclaim.“ (11. Juni 2006) (englischsprachig)
    2. a b eb/AP: Vorgänger von "Wer die Nachtigall stört": Harper Lees Debüt erscheint mit 60 Jahren Verspätung. Spiegel Online, 3. Februar 2015
    3. a b c d e f g h Hermann Weber, Juristen als Schriftsteller nichtdeutscher Sprache: (Nelle) Harper Lee, in: Neue Juristische Wochenschrift, Heft 11/2013, S. 743–748.
    4. Zitiert nach Lavizzari, Glanz und Schatten, S. 62, Bibliographische Angaben siehe unter Literatur.
    5. Lavizzari, Glanz und Schatten, S. 63.
    6. Lavizzari, Glanz und Schatten, S. 151.
    7. So jedenfalls Shields, Mockingbird, S. 253, Bibliographische Angaben siehe unter Literatur.
    8. Harper Lee to publish new novel, 55 years after To Kill a Mockingbird. The Guardian, abgerufen am 3. Februar 2015.
    9. Literarische Sensation Die Rückkehr der Nachtigall, Süddeutsche Zeitung vom 4. Februar 2015, abgerufen 6. Februar 2015

    Der Text ist unter der Lizenz "Creative Commons Attribution/Share Alike" verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind auf der Seite von Creative Commons beschrieben. Ursprüngliche(r) Autor(en) des verwendeten Textes.