Ravi Shankar

  • Ravi Shankar (bengalisch: রবি শংকর, Rabi Śaṃkar; * 7. April 1920 in Varanasi; † 11. Dezember 2012 in San Diego; bürgerlicher Name Robindro Shaunkor Chowdhury) war ein indischer Musiker und Komponist, der das Zupfinstrument Sitar spielte.

    Shankar verbrachte seine Jugend damit, in der Tanzgruppe seines Bruders Uday Shankar Europa und Indien zu bereisen. 1938 gab er das Tanzen auf, um das Sitar-Spielen unter Hofmusiker Allauddin Khan zu erlernen. Nachdem er seine Lehre 1944 beendet hatte, arbeitete Shankar als Komponist, wobei er die Musik für die Apu-Trilogie von Satyajit Ray schrieb, und war von 1949 bis 1956 als Musikdirektor von All India Radio Neu-Delhi beschäftigt.

    Im Jahr 1956 begann er Europa und Amerika auf Konzerttourneen zu bereisen und steigerte dort das Ansehen klassischer indischer Musik in den 1960er Jahren durch Lehre, Auftritte und den Kontakt zum Violinisten Yehudi Menuhin und zu George Harrison von den Beatles. Shankar beschäftigte sich mit westlicher Musik, indem er Instrumentalkonzerte für Sitar und Orchester schrieb, und tourte weltweit in den 1970er und 1980er Jahren. Von 1986 bis 1992 war er ein ernanntes Mitglied der Rajya Sabha, des Oberhauses des indischen Parlaments. Shankar wurde 1999 mit Indiens höchstem zivilen Orden, dem Bharat Ratna, ausgezeichnet und war der Empfänger von drei Grammy Awards. Er trat in den 2000ern weiterhin auf, oft mit seiner Tochter Anoushka.

    Jugend

    Shankar wurde 1920 in Varanasi in eine wohlhabende und konservative Brahmanen-Familie von Bengalen als jüngster von sieben Brüdern geboren.

    Nachdem er sein erstes Lebensjahrzehnt in Varanasi verbracht hatte, reiste Shankar mit der Tanzgruppe seines Bruders, dem Choreografen Uday Shankar, nach Paris.

    Karriere

    Ausbildung und Arbeit in Indien

    Shankars Eltern waren bereits verstorben, als er von der Europa-Tour zurückkehrte, und Tourneen in den Westen waren auf Grund der politischen Konflikte, die zum Zweiten Weltkrieg führen sollten, erschwert.

    Shankar schloss seine Ausbildung im Jahr 1944 ab. Anschließend zog er nach Mumbai und schloss sich der Theatergruppe Indian People’s Theatre Association an, für die er in den Jahren 1945 und 1946 Musik für Ballette komponierte.

    Internationale Karriere 1956–1969

    V. K. Narayana Menon, Direktor von AIR Delhi, stellte Shankar und den westlichen Geiger Yehudi Menuhin bei dessen ersten Besuch in Indien im Jahr 1952 vor.

    Shankar kamen die positive Reaktionen auf Khans Spiel zu Ohren und er trat 1956 von seinem Posten bei AIR zurück, um im Vereinigten Königreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten auf Tour zu gehen. Er spielte für kleineres Publikum und klärte über indische Musik auf, wobei er Ragas aus der südindischen karnatischen Musik einbezog, und nahm seine erste Schallplatte Three Ragas in London auf, die im Jahr 1956 veröffentlicht wurde.

    Shankar freundete sich während seiner ersten Amerika-Tournee mit Richard Bock an, dem Gründer von World Pacific Records, und nahm die meisten seiner Alben in den 1950er und 1960er Jahren für Bocks Label auf.

    Harrison traf Shankar 1966 in London und besuchte Indien für sechs Wochen, um in Srinagar unter Shankar Sitar zu lernen.

    Internationale Karriere 1970–Gegenwart

    Im Oktober 1970 wurde Shankar Vorsitzender der Abteilung für indische Musik des California Institute of the Arts, nachdem er zuvor am City College of New York, der University of California, Los Angeles, und als Gastdozent an anderen Hochschulen und Universitäten, einschließlich des Ali Akbar College of Music, gelehrt hatte.

    Während der 1970er Jahre arbeiteten Shankar und Harrison wieder zusammen, nahmen 1974 Shankar Family and Friends auf und tourten zu gemischten Kritiken durch Nordamerika, nachdem Shankar vorher auf Konzertreise durch Europa gewesen war.

    Shankar unterzog sich 1992 einer Angioplastie auf Grund von Herzproblemen, wonach sich George Harrison an mehreren von Shankars Projekten beteiligte. Wegen der positiven Resonanz, die Shankars Karrierenkompilation In Celebration im Jahr 1996 erhielt, schrieb Shankar eine zweite Autobiografie, Raga Mala, bei der Harrison als Lektor wirkte.

    Stil und Beiträge

    Shankar entwickelte einen Stil, der sich von dem seiner Zeitgenossen unterschied, und integrierte Einflüsse aus rhythmischen Praktiken der südindischen karnatischen Musik. Seine Aufführungen beginnen mit einem Solo in Alap, Jor und Jhala (Einführung und Spiel mit Puls und schnellem Puls), beeinflusst vom langsamen und ernsten Dhrupad-Stil, gefolgt von einem Abschnitt mit Tabla-Begleitung, in dem Kompositionen aus dem vorherrschenden Khyal-Stil gespielt werden. Shankar schließt seine Auftritte oft mit einem Stück ab, das vom leichten klassischen Thumri-Stil inspiriert ist.

    Shankar wird als einer der bedeutendsten Sitar-Spieler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angesehen. Er popularisierte das Spiel auf der Bassoktave der Sitar für den Alap-Abschnitt und wurde für eine Spielweise mit kurzen schnellen Auslenkungen der Saiten in den mittleren und höheren Tonlagen und seine Klangerzeugung durch Anschläge auf und Abziehen der Hauptspielsaite bekannt.

    Anerkennung

    Shankar gewann den Silbernen Bär Sonderpreis bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 1957 für die Komposition der Musik des Films Kabuliwala.

    Familie und Persönliches

    Shankar heiratete 1941 Allauddin Khans Tochter Annapurna Devi. Ihr gemeinsamer Sohn Shubhendra Shankar wurde 1942 geboren.

    Shubhendra „Shubho“ Shankar begleitete seinen Vater oft auf Tourneen. Er konnte die Sitar und Surbahar spielen, zog es aber vor, keine Solokarriere anzustreben, und starb im Jahr 1992.

    Shankar war Hindu und Vegetarier.

    Diskografie

    Ravi Shankar begann in den 1950er Jahren Musik aufzunehmen.

    • Three Ragas (1956)
    • Improvisations (Album) (1962)
    • India's Most Distinguished Musician (1962)
    • India's Master Musician (1963)
    • Exciting Music of (1963)
    • In London (1964)
    • Ragas & Talas (1964)
    • Portrait of Genius (1964)
    • Sound of the Sitar (1965)
    • Live at Monterey (1967)
    • In San Francisco (1967)
    • West Meets East (1967)
    • At the Monterey Pop Festival (1967)
    • The Exotic Sitar and Sarod (1967)
    • A Morning Raga / An Evening Raga(1968)
    • The Sounds of India (1968)
    • In New York (1968)
    • Woodstock Festival (1969)
    • The Concert for Bangladesh (1971)
    • Transmigration Macabre (Soundtrack)(1973)
    • Homage to Mahatma Gandhi (1981)
    • Raga-Mala (Sitar Concerto No. 2) (1982)
    • Pandit Ravi Shankar (1986)
    • Tana Mana (1987)
    • Inside The Kremlin (1988)
    • Passages mit Philip Glass (1990)
    • Concert for Peace: Royal Albert Hall (1995)
    • Chants of India (1997)
    • Concerto for Sitar & Orchestra mit André Previn (1999)
    • Full Circle: Carnegie Hall 2000 (2001)
    • Between Two Worlds (2001)
    • Flowers of India (2007)
    • The Living Room Sessions Part 1 (2012)

    Bibliografie

    •  Ravi Shankar, Simon & Schuster (Hrsg.): My Music, My Life. 1968, ISBN 0671201131.
    •  Ravi Shankar, Onomatopoeia (Hrsg.): Learning Indian Music: A Systematic Approach. 1979, OCLC 21376688.
    •  Ravi Shankar, Genesis Publications (Hrsg.): Raga Mala: The Autobiography of Ravi Shankar. 1997, ISBN 0904351467.

    Weblinks

    Einzelnachweise

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    6. Ghosh, Shankars, S. 7
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    8. Ghosh, Shankars, S. 55
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