Morbid Angel

  • Morbid Angel (engl. ‚krankhafter Engel‘) ist eine US-amerikanische Death-Metal-Band aus Florida. Ursprünglich sollte sie den Namen Heretic tragen, doch aufgrund eines Namenskonfliktes mit einer bereits existierenden Power-Metal-Band entschieden sich die Gründer für Morbid Angel. Die Band gehört zu den Mitbegründern des Florida Death Metal.

    Biografie

    Gründungsjahre

    Nach seinem Highschool-Abschluss gründete Gitarrist George Emanuel III. mit einem namentlich nicht bekannten „Jungen aus der Nachbarschaft“ am Schlagzeug und seinem Freund Dallas Ward am Bass die Band Heretic. Bereits kurze Zeit darauf wurde der Schlagzeuger durch Mike Browning ersetzt, der mit Emanuel zu Schulzeiten bereits bei der Schüler-Band Ice gespielt hatte. Als die Band feststellen musste, dass es bereits eine Power-Metal-Band mit dem Namen Heretic gab, änderte die Band den Namen in Morbid Angel:

    Für die Musik waren Emanuel III., der sich inzwischen das Pseudonym Trey Azagthoth zugelegt hatte, und Mike Browning verantwortlich. Während das Duo in der Musik versuchte, verschiedene Stile zwischen Mercyful Fate und Slayer zu kombinieren, flossen in die Texte okkulte und satanistische Einflüsse insbesondere aus dem Necronomicon ein. Das Trio konnte für kurze Zeit Kenny Bamber als Sänger verpflichten, mit dem sie in einem Tonstudio einige Stücke aufnahmen. Bamber, der um einiges älter als die übrigen Bandmitglieder war, bezahlte die Studioaufnahmen, musste aber kurze Zeit darauf wieder die Band verlassen, weil sie mit seiner Falsett-Tonlage nicht zufrieden war. Einige Wochen später, in denen Bassist Ward vorübergehend den Gesang übernahm, stieß Richard Brunelle als Rhythmusgitarrist zur Band. Nachdem auch Ward die Band verlassen musste, wurde zunächst Sterling Scarborough und als sein Nachfolger John Ortega als Bassist aufgenommen. In dieser Besetzung entstanden die Demos Scream for Blasphemies und Bleed for the Devil.

    Über einen gemeinsamen Bekannten von Mike Browning kam Anfang 1986 der Kontakt zu David Vincent zustande, der in Charlotte (North Carolina) ein kleines Independent-Label namens Goreque Records betrieb. Im April 1986 nahm Morbid Angel Abominations of Desolation auf, das Album sollte ihr Debüt werden. Allerdings gab es zwischen Azagthoth und Browning einige Meinungsverschiedenheiten und Vorkommnisse, so dass die für September 1986 geplante Veröffentlichung wieder verworfen wurde. Azagthoth und Brunelle schlossen daraufhin Browning und Ortega aus der Band aus, woraufhin David Vincent vorschlug, Morbid Angel gemeinsam mit seinem Schlagzeuger Wayne Hartzel in Charlotte weiterzuführen. Die Musik des Quartetts wurde schneller und härter und auch das Image wandelte sich:

    Aufgrund ihrer extremen Musik und der Bühnenshow - Azagthoth und Brunelle schlitzten sich mit Rasierklingen die Arme auf - wurde die Band im Untergrund immer bekannter. Fasziniert von Alben wie Napalm Deaths Scum adaptierten sie Blastbeats in ihrer Musik. 1987 nahmen sie die drei Stücke des Demos Thy Kingdom Come auf, von denen zwei 1988 bei dem Schweizer Label Splattermaniac Records auf der gleichnamigen Single erschienen. Im Sommer dieses Jahres tauchte Schlagzeuger Hartzel unter und wurde durch Pete Sandoval von Terrorizer ersetzt. Durch die Fürsprache von Mick Harris wurde die Band 1989 von Earache Records unter Vertrag genommen und veröffentlichte Ende 1989 ihr Debütalbum Altars of Madness. Im Winter ging die Band mit Napalm Death, Bolt Thrower und Carcass auf die Grindcrusher Tour.

    Kommerzieller Erfolg

    Der Death Metal feierte insbesondere in den USA beachtliche Erfolge, Morbid Angel wurde zu einer der meistverkauften Bands von Earache. Zur Besetzung gehörte mittlerweile mit Erik Rutan auch wieder ein zweiter Gitarrist. Trotz der Erfolge mit den Alben verließ David Vincent die Band Mitte 1996:

    Das im Mai 1996 veröffentlichte Live-Album Entangled in Chaos, das während der Domination-Tour aufgenommen worden war, war zugleich das letzte mit David Vincent als Sänger.

    Für Vincent wurde in Steve Tucker (ex-Ceremony) Ersatz gefunden und 1998 erschien Formulas Fatal to the Flesh. Der Vertrag mit Warner war inzwischen beendet, sodass das Album exklusiv bei Earache erschien. andeuten und versuchte sich an der Interpretation von New-Age-Autoren wie Tony Robbins oder Deepak Chopra.

    Die 2000er Jahre

    Auf dem 2000 veröffentlichten Album Gateways to Annihilation wirkte Steve Tucker erstmals an den Kompositionen mit. Nach den ausgedehnten Tourneen verließ Tucker wegen Erschöpfung die Band. Bei den restlichen Live-Shows stand Jared Anderson von Hate Eternal am Mikrofon.

    2013 gab es eine spezielle Covenant-Tournee, auf der das komplette Album gespielt wurde.

    Image

    Anfang der 1990er war Death Metal eine der populärsten Subkulturen der Metal-Szene, was zum Erstarken des Black Metal führte; während insbesondere die schwedische und norwegische Black-Metal-Szene den Death Metal als „Trend“ und „Kommerz“ ablehnte, wurde die Band aufgrund ihres satanistischen Hintergrundes auch dem Black Metal zugeordnet und neben Deicide als eine von wenigen Death-Metal-Bands auch dort populär.

    Im deutschsprachigen Raum sah sich die Band aufgrund eines Vorfalls während einer US-Tour mit der deutschen Thrash-Metal-Band Kreator Ablehnung ausgesetzt. Miland „Mille“ Petrozza, Frontmann von Kreator, wollte einen Zuschauer hinauswerfen lassen, nachdem dieser den Hitlergruß gezeigt hatte. Mitglieder von Morbid Angel verhinderten dies mit Verweis auf die Meinungsfreiheit in den USA. Als Kreator dies in Deutschland publik machten, wurde David Vincent des Neonazismus bezichtigt und die komplette Deutschlandtour mit Immortal von Teilen der deutschen Presse boykottiert. musste. In einem Interview mit dem Magazin Rock Hard aus dem Jahr 1997 wies Trey Azagthoth sämtliche Vorwürfe im Namen der Band (die David Vincent inzwischen verlassen hatte) zurück und erklärte:

    Diskografie

    Alben

    • 1989: Altars of Madness
    • 1991: Blessed Are the Sick
    • 1991: Abominations of Desolation (ursprünglich 1986 von Bill Metoyer als Debütalbum produziert)
    • 1993: Covenant
    • 1995: Domination
    • 1996: Entangled in Chaos (Live)
    • 1998: Formulas Fatal to the Flesh
    • 2000: Gateways to Annihilation
    • 2003: Heretic
    • 2011: Illud divinum insanus

    Sonstiges

    • 1985: The Beginning (Demo)
    • 1986: Bleed for the Devil (Rehearsal-Demo)
    • 1986: Scream for Blasphemies (Rehearsal-Demo)
    • 1987: Thy Kingdom Come (Demo)
    • 1988: Thy Kingdom Come/Abominations (7″, auch erhältlich als Bootleg-7″ + Bonustrack)
    • 1989: Chapel of Ghouls auf Grind Crusher
    • 1993: Rapture (Single)
    • 1994: Laibach Re-mixes (EP)
    • 1999: Love of Lava (Best-of)
    • 2012: Ilud divinum insanus - the remixes (Remix-Album)

    Dass die Anfangsbuchstaben der Albumtitel alphabetisch aufeinander folgen, ist von der Band beabsichtigt.

    Weblinks

    Einzelnachweise

    1. R.I.P.. In: Metal Hammer, Dezember 2004, S. 20.
    2. a b Mudrian: Choosing Death, S. 65
    3.  Albert Mudrian: Choosing Death: Die unglaubliche Geschichte von Death Metal & Grindcore. I.P. Jeske/Mader, Berlin 2006, ISBN 978-3-931624-35-4, S. 65.
    4. Mudrian: Choosing Death, S. 68
    5. a b Mudrian: Choosing Death, S. 162
    6. Mudrian: Choosing Death, S. 174f
    7. a b c Mudrian: Choosing Death, S. 191f
    8. a b Mudrian: Choosing Death, S. 203
    9. a b  Frank Albrecht: Der Rhythmus des Universums. In: Rock Hard. Nr. 198.
    10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMorbid Angel Signs With Season of Mist. Season of Mist, 18. November 2009, archiviert vom Original am 24. November 2009, abgerufen am 16. Dezember 2011 (englisch).
    11. MORBID ANGEL: New Album Title Revealed. Blabbermouth.net, 9. März 2011, abgerufen am 7. April 2011 (englisch).
    12. Louise, Olivier „Zoltar“ Badin: morbid-angel ilud divinum insanus exclusive preview. Terrorizer, 6. April 2011, abgerufen am 7. April 2011 (englisch).
    13. MORBID ANGEL To Perform Entire 'Covenant' Album On Upcoming Tour, 14. Juli 2013, abgerufen am 15. Juli 2013.
    14. Interview: Dave Vincent of Morbid Angel. Invisible Oranges, 5. Dezember 2013, abgerufen am 11. Dezember 2013 (englisch).
    15. Morbid Angel's David Vincent Says Former Drummer Pete Sandoval Has 'Found Jesus'. Blabbermouth.net, 5. Dezember 2013, abgerufen am 11. Dezember 2013 (englisch).
    16. Varg Vikernes: A Burzum Story: Part I - The Origin And Meaning.
    17. Jason Arnopp: “WE ARE BUT SLAVES OF THE ONE WITH HORNS…”. In: Kerrang!, Nr. 436, 27. März 1993, S. 42-46.
    18. Bruder Clé: Galerie der finsteren Ikonen. In: Ablaze, Nr. 5, Mai/Juni 1995, S. 56.
    19.  Götz Kühnemund: Zu krank?. In: Rock Hard. Nr. 72, Mai 1993, S. 21.
    20.  Michael Moynihan, Didrik Søderlind: Lords of Chaos. Erweiterte und überarbeitete Ausgabe. Index Verlag, 2007, ISBN 978-3-93687-800-4, Seite 48.
    21.  Götz Kühnemund: Zu krank?. In: Rock Hard. Nr. 72, S. 20.
    22. musik-base.de: Biografie
    23.  Holger Stratmann (Hrsg.): RockHard-Enzyklopädie. 700 der interessantesten Rockbands aus den letzten 30 Jahren. Rock Hard Verlag, 1998, ISBN 3-9805171-0-1, S. 259.
    24. a b  Christian Dornbusch, Hans-Peter Killguss: Unheilige Allianzen. Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus. Unrast Verlag, Münster 2005, ISBN 3-89771-817-0, S. 26.
    25.  Götz Kühnemund: No more political bullshit!. In: Rock Hard. Nr. 123.
    26. a b musicline.de: Morbid Angel in den deutschen Albumcharts
    27. a b hitparade.ch: Morbid Angel in der Schweizer Hitparade

    Quellen

    •  Albert Mudrian: Choosing Death. Die unglaubliche Geschichte von Death Metal und Grindcore. I.P. Verlag, 2006, ISBN 978-3-931624-35-4.
    •  Holger Stratmann (Hrsg.): RockHard-Enzyklopädie. 700 der interessantesten Rockbands aus den letzten 30 Jahren. Rock Hard Verlag, 1998, ISBN 3-9805171-0-1, S. 259.

    Der Text ist unter der Lizenz "Creative Commons Attribution/Share Alike" verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind auf der Seite von Creative Commons beschrieben. Ursprüngliche(r) Autor(en) des verwendeten Textes.